Altersbilder wirken früher, als wir denken

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Altersbilder wirken früher, als wir denken
Zusammengefasst von Jana Nikitin
Was sind Altersbilder?
Was fällt uns ein, wenn wir an das Alter denken? Gebrechlichkeit, Einsamkeit und Abhängigkeit? Oder Erfahrung, Gelassenheit und neue Freiheiten? Solche Vorstellungen nennt man Altersbilder. Sie umfassen das, was wir über ältere Menschen, über das Älterwerden und über unser eigenes späteres Leben denken.
Altersbilder entstehen nicht erst im Alter. Schon Kinder und junge Erwachsene lernen, wie in ihrer Familie, in den Medien und in der Gesellschaft über ältere Menschen gesprochen wird. Lange wurde vor allem untersucht, wie solche Vorstellungen ältere Menschen selbst beeinflussen. Dabei zeigte sich: Altersbilder können wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wirken. Kurz gesagt: Unsere Altersbilder können dazu beitragen, dass wir später so altern, wie wir es uns vorstellen. Eine neue Studie zeigt nun: Altersbilder können schon im jungen Erwachsenenalter auf uns wirken, also lange bevor das eigene Alter erreicht ist.
Was wurde untersucht?
Die Forschenden untersuchten in zwei Studien mit jungen Erwachsenen, ob positivere Vorstellungen vom Alter mit mehr Resilienz zusammenhängen. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit, mit Belastungen und Schwierigkeiten umzugehen und sich nach Krisen wieder zu erholen. Dabei betrachteten die Forschenden verschiedene Formen von Altersbildern: Einstellungen gegenüber älteren Menschen, Angst vor dem eigenen Älterwerden sowie Altersdiskriminierung - und zwar feindselige Altersdiskriminierung, also offene negative Vorurteile gegenüber älteren Menschen, und wohlwollende Altersdiskriminierung, bei der ältere Menschen als hilfsbedürftig betrachtet werden.
Was zeigte die Studie?
Junge Erwachsene, die positivere Einstellungen gegenüber älteren Menschen hatten, weniger Angst vor dem Älterwerden berichteten und weniger feindselige Vorurteile zeigten, berichteten auch mehr Resilienz. Sie fühlten sich also eher in der Lage, mit Belastungen und Schwierigkeiten umzugehen. Ein zentraler Mechanismus war das Gefühl von Kontrolle: Wer das Alter positiver sah, hatte eher den Eindruck, das eigene Leben und die eigene Zukunft mitgestalten zu können. Dieses stärkere Kontrollgefühl hing wiederum mit höherer Resilienz zusammen. Wohlwollende Altersdiskriminierung zeigte diesen Zusammenhang hingegen nicht.
Was bedeutet das?
Die Studie hat Grenzen. Sie beruht auf Querschnittsdaten, daher lässt sich nicht sicher sagen, ob positive Altersbilder tatsächlich zu mehr Kontrolle und Resilienz führen oder ob resilientere Menschen generell positiver auf ihre Zukunft blicken. Außerdem wurden junge Erwachsene aus Hongkong untersucht, weshalb weitere Studien in anderen kulturellen Kontexten wichtig sind.
Trotzdem zeigt die Studie: Altersbilder betreffen nicht nur ältere Menschen und nicht nur das spätere Leben. Sie stehen schon in jungen Jahren damit in Zusammenhang, wie viel Kontrolle wir über unser Leben empfinden und wie gut wir mit Belastungen umgehen. Ob man für Interventionen eher an den Altersbildern, am Kontrollgefühl oder an der Resilienz ansetzen sollte, lässt sich aus dieser Studie noch nicht sagen. Klar ist aber: Der Blick aufs Alter hängt damit zusammen, wie wir unser eigenes Leben erleben. Wer positiver aufs Alter blickt, scheint sich dem Leben eher gewachsen zu fühlen - auch schon in jungen Jahren.
Quelle: Sun, Y. Y., & Li, T. (2025). When a bright future is in mind: Young adults’ positive views on aging contribute to resilience through enhanced sense of control. Current Research in Behavioral Sciences, 8, Article 100166. https://doi.org/10.1016/j.crbeha.2024.100166
