Altersunterschiede in Einstellungen zum Klimawandel und umweltbezogenem Verhalten: Erkenntnisse aus gerontologischen Theorien

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Altersunterschiede in Einstellungen zum Klimawandel und umweltbezogenem Verhalten: Erkenntnisse aus gerontologischen Theorien
zusammengefasst von Selma Korlat
Mit zunehmendem Alter verändern sich oft die Prioritäten und Motivationen von Menschen. Nach der sozioemotionalen Selektivitätstheorie konzentrieren sich ältere Menschen stärker auf emotional bedeutsame Erfahrungen und enge soziale Beziehungen. Ein Grund dafür ist, dass sie ihre verbleibende Lebenszeit stärker als begrenzt wahrnehmen. Dadurch können breitere oder eher abstrakte Themen – wie der Klimawandel – für sie persönlich weniger wichtig erscheinen als für jüngere Menschen.
Gleichzeitig gibt es ein weiteres psychologisches Konzept, die Generativität, das beschreibt, dass viele Erwachsene – besonders in der zweiten Lebenshälfte – den Wunsch verspüren, zum Wohl zukünftiger Generationen beizutragen. Aus dieser Perspektive könnten ältere Menschen motiviert sein, sich umweltbewusst zu verhalten, weil sie eine gute Zukunft für nachfolgende Generationen sichern möchten.
Zusammengenommen führen diese beiden Perspektiven zu einer interessanten Annahme: Obwohl ältere Menschen sich möglicherweise weniger Sorgen über den Klimawandel machen, könnten sie dennoch umweltfreundlich handeln – aus dem Wunsch heraus, etwas Positives für zukünftige Generationen zu hinterlassen.
Um diese Ideen zu untersuchen, sichteten die Autor:innen Ergebnisse aus mehreren großen Umfragen, die in Deutschland und anderen europäischen Ländern durchgeführt wurden. An diesen Studien nahmen tausende Personen aus unterschiedlichen Altersgruppen teil und es wurden sowohl Einstellungen zum Klimawandel als auch umweltbezogene Verhaltensweisen erfasst. Anstatt neue statistische Analysen durchzuführen, verglichen die Autor:innen die Muster dieser Studien miteinander, um zu prüfen, ob die Ergebnisse mit den Vorhersagen der beiden Theorien übereinstimmen.
Insgesamt unterstützen die Ergebnisse weitgehend die Erwartungen der Autor:innen. Viele Studien zeigen, dass ältere Menschen den Klimawandel tendenziell als etwas weniger wichtig oder bedrohlich wahrnehmen als jüngere Menschen. Wenn man jedoch das tatsächliche Verhalten betrachtet, ergibt sich ein anderes Bild. Erwachsene im Alter von etwa 60 bis 75 Jahren berichten häufig, dass sie sich genauso stark oder sogar stärker umweltfreundlich verhalten als jüngere Personen. Beispiele dafür sind Energiesparen, die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung, der Kauf regionaler Produkte oder die Reduktion von Plastik. Diese Befunde zeigen, dass Einstellungen und Verhalten in Bezug auf Klimathemen nicht immer übereinstimmen.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Einstellungen allein Verhalten nicht vollständig erklären. Verhalten wird auch von sozialen Erwartungen sowie davon beeinflusst, wie viel Kontrolle Menschen über ihr eigenes Handeln wahrnehmen. Jüngere Menschen sorgen sich möglicherweise stärker um den Klimawandel, weil er ihre Zukunft betrifft. Gleichzeitig fühlen sie sich jedoch möglicherweise weniger in der Lage, ihr Verhalten zu verändern, etwa aufgrund von Verpflichtungen in Ausbildung, Beruf oder Familie. Ältere Menschen hingegen haben häufig weniger alltägliche Einschränkungen und fühlen sich daher eher in der Lage, umweltfreundlich zu handeln. Ihr Verhalten kann außerdem durch den Wunsch motiviert sein, zukünftigen Generationen eine bessere Welt zu hinterlassen.
Quelle: Wahl, H., & Budnick, A. (2025). Theoriegeleitete Sichtung vorliegender Daten zu Alter(n) und Klimawandel: ein explorativer Beitrag. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie. doi.org/10.1007/s00391-025-02453-1.
