Bewegung im Freien schützt vor Demenz

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Bewegung im Freien schützt vor Demenz
zusammengefasst von Christina Ristl
Viele Menschen glauben, dass Demenz ein Schicksal des Alters ist – und dass wir selbst wenig Einfluss darauf haben. Doch die Forschung zeigt ein anderes Bild: Die Lancet-Kommission, ein internationales Expertengremium aus Medizin, Psychologie und Public Health, kommt zu dem Schluss, dass 40–45 Prozent aller Demenzfälle weltweit vermeidbar wären. Lebensstilfaktoren wie regelmäßige Bewegung, gutes Hörvermögen (zum Beispiel durch das Tragen eines Hörgeräts), ein gesunder Blutdruck oder ausgewogene Ernährung prägen das Gehirn über Jahrzehnte. Eine neue Studie aus Großbritannien untersucht nun speziell, wie Bewegung im Freien und die grüne Wohnumgebung dabei zusammenwirken.
Untersucht wurden knapp 190 000 Menschen im Alter von 60 bis 73 Jahren, die über mehr als zehn Jahre begleitet wurden. Erfasst wurde, wie viel Zeit sie bei alltäglicher Bewegung im Freien verbrachten – etwa durch Spazierengehen, Radfahren oder Gartenarbeit – und wie viel Grün in ihrer unmittelbaren Wohnumgebung vorhanden war (Parks, Bäume und Wiesen innerhalb eines 300-Meter-Radius).
Die Ergebnisse waren eindeutig: Wer regelmäßig im Freien aktiv war, hatte ein deutlich geringeres Risiko, eine Demenz zu entwickeln. In der aktivsten Gruppe lag das Risiko für Demenz insgesamt um etwa 16 % niedriger als in der inaktivsten Gruppe. Bei vaskulärer Demenz, einer Form, die mit Durchblutungsstörungen zusammenhängt, war die Reduktion noch stärker – rund 28 % geringeres Risiko.
Zudem zeigte sich, dass Bewegung und Natur sich gegenseitig verstärken: Menschen, die sich viel draußen bewegten und gleichzeitig in einer besonders grünen Umgebung lebten, hatten das niedrigste Demenzrisiko – etwa 27 % niedriger als Personen mit wenig Aktivität in wenig grünen Wohngebieten. Auch in stärker bebauten Gegenden zeigte Outdoor-Bewegung einen Vorteil, wenn auch etwas geringer (ca. 14 % Risikosenkung).
In einer Untergruppe von rund 36 000 Personen wurden zusätzlich Gehirnscans ausgewertet. Personen mit regelmäßiger Bewegung im Freien wiesen größere Gedächtnisregionen auf (etwa den Hippocampus, der für Lernen und Erinnern wichtig ist) und weniger altersbedingte Veränderungen, darunter sogenannte White-Matter-Hyperintensitäten (kleine Gefäßschäden in der weißen Substanz).
Damit die Ergebnisse nicht durch andere Faktoren erklärt werden, berücksichtigten die Forschenden Einflüsse wie Bildung, sozioökonomischen Status, Rauchverhalten, körperliche Gesundheit, Luftverschmutzung und Umgebungslärm. Auch nach deren Berücksichtigung blieben die Zusammenhänge stabil.
Die Studie kann keine direkte Ursache-Wirkung nachweisen. Doch sie fügt sich in ein breites wissenschaftliches Muster: Bewegung im Alltag – und die Umgebung, die sie erleichtert – scheinen unser Gehirn vor Demenz zu schützen. Schon regelmäßige, moderate Aktivität kann langfristig mehr bewirken, als viele vermuten: Bewegung stärkt nicht nur den Körper und das Herz, sondern auch unser Gehirn.
Kröger, B., Wang, HX., Ekblom, Ö. et al. Outdoor physical activity, residential green spaces and the risk of dementia in the UK Biobank cohort. Commun Med 5, 389 (2025). doi.org/10.1038/s43856-025-01130-z
