Die nettesten Begegnungen haben wir oft mit den Altersgruppen, die in unserem Alltag am seltensten vorkommen

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zusammengefasst von Jana Nikitin

Die meisten Erwachsenen verbringen ihren Alltag vor allem mit Personen, die ungefähr gleich alt sind wie sie selbst. Kinder und ältere Menschen kommen in den sozialen Netzwerken dagegen vergleichsweise selten vor. Eine neue Studie zeigt jedoch: Gerade diese selteneren Kontakte werden oft als besonders positiv erlebt und könnten wichtige Vorteile haben: Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass altersgemischtere soziale Netzwerke mit besserer kognitiver Leistungsfähigkeit und einer höheren Überlebenswahrscheinlichkeit zusammenhängen.

Wie wurde das untersucht?

Die Forschenden kombinierten zwei Studien. In einer Studie berichteten Erwachsene zwischen 25 und 85 Jahren, wer zu ihrem sozialen Netzwerk gehört. Zusätzlich gaben sie mehrmals täglich an, mit wem sie gerade Kontakt hatten. So konnte erfasst werden, wie altersgemischt sowohl ihre sozialen Netzwerke als auch ihre tatsächlichen Alltagskontakte sind.

In einer zweiten Studie wurden Erwachsene über mehrere Jahre hinweg wiederholt befragt und getestet. So ließ sich untersuchen, wie soziale Kontakte mit kognitiver Leistungsfähigkeit und mit der Überlebenswahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum zusammenhängen.

Kontakte über Altersgrenzen hinweg sind selten – aber oft besonders positiv

Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Menschen überwiegend Kontakte mit Gleichaltrigen haben. Kontakte zu Kindern und älteren Erwachsenen sind deutlich seltener.

Gleichzeitig wurden genau diese Kontakte im Alltag oft als besonders positiv erlebt. Begegnungen über Altersgrenzen hinweg scheinen also emotional bereichernd zu sein, auch wenn sie nicht häufig vorkommen.

Altersvielfalt scheint dem Denken gutzutun

Besonders deutlich waren die Ergebnisse für die kognitive Leistungsfähigkeit. Menschen mit altersgemischteren sozialen Netzwerken und Alltagskontakten zeigten in beiden Studien bessere Werte bei der fluiden Kognition, also bei geistigen Fähigkeiten wie Verarbeitungsgeschwindigkeit, Flexibilität und Arbeitsgedächtnis. 

Teilweise waren diese Zusammenhänge bei älteren Erwachsenen besonders stark. Die Autorinnen vermuten, dass Kontakte mit Menschen unterschiedlichen Alters neue Perspektiven, andere Kommunikationsstile und vielfältigere Anregungen mit sich bringen und dadurch kognitiv bereichernd wirken können.

Und vielleicht sogar dem längeren Leben

Auch langfristig zeigten sich Unterschiede. In der Längsschnittstudie hatten Menschen mit altersvielfältigeren sozialen Netzwerken und Interaktionen eine geringere Wahrscheinlichkeit, innerhalb des 13-jährigen Beobachtungszeitraums zu sterben. 

Wichtig ist dabei: Dieser Zusammenhang zeigte sich nicht einfach deshalb, weil diese Personen mehr Kontakte hatten. Berücksichtigt wurden unter anderem auch die Größe des sozialen Netzwerks und die Häufigkeit sozialer Interaktionen.

Was können wir aus der Studie mitnehmen?

Die Studie legt nahe, dass altersgemischte soziale Kontakte eine unterschätzte Ressource sein könnten. Wer nicht nur mit Gleichaltrigen zu tun hat, sondern auch mit jüngeren und älteren Menschen, könnte geistig davon profitieren. 

Gleichzeitig erinnert die Studie daran, wie stark unser Alltag oft nach Altersgruppen getrennt ist und wie viele positive Erfahrungen uns dadurch möglicherweise entgehen. 

Obwohl sich aus den Befunden nicht sicher schließen lässt, dass Altersvielfalt direkt die Ursache für bessere Kognition oder längeres Leben ist, spricht vieles dafür, Begegnungen zwischen Generationen ernster zu nehmen, nicht nur als gesellschaftliches Ideal, sondern auch als mögliche Ressource für gesundes Altern.

 

Quelle: Growney, C., Carstensen, L. L., & English, T. (2026). Benefits of age-diverse social worlds: Cognitive functioning, positive emotional experiences, and life expectancy. The Gerontologist, gnag023. Advance online publication. doi.org/10.1093/geront/gnag023