Hilft Natur gegen Einsamkeit?

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Zusammengefasst von Kimia Rounama 

Hintergrund: Warum ist das relevant?
Einsamkeit stellt ein globales Public-Health-Problem dar und erhöht das Risiko für Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und Suizid erheblich. Während es zunehmend Hinweise darauf gibt, dass Aufenthalte in der Natur das allgemeine Wohlbefinden fördern, ist bislang nur begrenzt untersucht, inwiefern Naturkontakt spezifisch bei unterschiedlichen Formen von Einsamkeit hilfreich ist. Darüber hinaus wird erforscht, ob gezielte „Naturverschreibungen“ durch Gesundheitsfachpersonen wirksam sein können und welche Barrieren, etwa fehlende Begleitung, Menschen vom Aufsuchen natürlicher Umgebungen abhalten.

Die Studie: Was wurde untersucht?
Diese Querschnittsstudie aus dem Jahr 2022 befragte 2.100 Erwachsene im Alter von 18 bis 89 Jahren aus fünf Ländern (Australien, Indien, Singapur, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten). Mithilfe der 6-Item-Skala nach De Jong Gierveld unterschieden die Forschenden präzise zwischen allgemeiner Einsamkeit, sozialer Einsamkeit (Mangel an Freundschaft) und emotionaler Einsamkeit (Fehlen einer engen Bezugsperson).

Zentrale Ergebnisse:

  • Regelmäßiger Aufenthalt in natürlichen Umgebungen, mindestens einmal pro Woche, oder ein Naturkontakt von mindestens zwei Stunden pro Woche war mit signifikant geringerer sozialer Einsamkeit verbunden. Naturräume können somit als attraktive Kontexte wirken, die soziale Begegnungen begünstigen.
  • Im Zusammenhang mit emotionaler Einsamkeit zeigte sich dagegen, dass häufigerer Naturkontakt mit höheren Werten assoziiert war. Dies lässt sich jedoch vermutlich als Bewältigungsstrategie deuten: Personen, denen eine enge Bezugsperson fehlt, suchen die Natur gezielt als verlässlichen Ort der Entlastung und des Rückzugs auf.
  • Das genannte Hindernis „niemanden zu haben, mit dem man gehen kann“ war mit deutlich höherer allgemeiner und emotionaler Einsamkeit verbunden.
  • Die tatsächliche Inanspruchnahme von Programmen mit „Naturverschreibung“ war insgesamt sehr gering und lag zwischen 1,3% der Befragten in den USA und 7,6% in Indien.

Schlussfolgerung für die Praxis:
Ob Natur gegen Einsamkeit hilft, lässt sich nicht pauschal beantworten. Zwar können Grünräume dazu beitragen, soziale Isolation zu reduzieren, jedoch reicht der bloße Zugang zur Natur für emotional einsame Personen häufig nicht aus, da gerade fehlende Begleitung den Besuch solcher Orte erschwert. Zukünftige Interventionen und „Naturverschreibungen“ sollten daher als soziale Katalysatoren konzipiert werden, um vulnerable Personen aktiv beim Überwinden dieser Hürden zu unterstützen.


Astell-Burt, T., Kondo, M., Pritchard, T., Olcoń, K., Hipp, J. A., Adlakha, D., Pappas, E., & Feng, X. (2024). Contact with nature, nature prescriptions, and loneliness: Evidence from an international survey of adults in Australia, India, Singapore, the United Kingdom, and the United States. Health & Place, 90, 103331. doi.org/10.1016/j.healthplace.2024.103331