Keine Kinder = Einsam? Wie Freundschaften im Alter schützen

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Zusammengefasst von Iris Wahring 

 

Elternschaft gilt oft als wichtige soziale Absicherung für die zweite Lebenshälfte. Doch was bedeutet das für ältere Erwachsene ohne Kinder? Eine aktuelle Studie unter der Leitung von Alison Rataj (University of New Hampshire) zeigt: Für kinderlose ältere Menschen spielen Freundschaften eine besonders wichtige Rolle.

Im höheren Erwachsenenalter verändern sich unsere sozialen Welten. Netzwerke werden oft kleiner, und der Fokus verschiebt sich zunehmend auf enge Familienbeziehungen. Ihre Kinder geben älteren Menschen dabei häufig ein Gefühl von Bedeutung, Gemeinschaft und Zuneigung.

Doch nicht alle Menschen treten diesen Lebensabschnitt als Eltern an. Die bisherige Forschung zeigt einen klaren Trend: Ältere Erwachsene ohne Kinder weisen durchschnittlich eine etwas niedrigere psychische Gesundheit und höhere Einsamkeit auf als jene mit Kindern. Doch bedeutet Kinderlosigkeit im Alter automatisch ein höheres Risiko für Einsamkeit? Die Daten von 11.670 US-Amerikanerinnen und Amerikanern (50 Jahre und älter) zeichnen ein differenzierteres Bild.

Freundschaft als Puffer gegen Einsamkeit

In der Stichprobe, in der 81 % der Teilnehmenden Eltern waren, bestätigte sich zunächst, dass Personen ohne Kinder im Durchschnitt über etwas höhere Einsamkeitswerte berichteten. Die Studie zeigte jedoch eindrücklich, dass nichtfamiliäre Bindungen diesen Effekt abfedern können.

Interessanterweise hatten ältere Erwachsene ohne Kinder häufiger enge Freunde oder Freundinnen in ihrem sozialen Netzwerk als Eltern. Ein besonderer Fokus der Studie lag auf der emotionalen Unterstützung durch Freunde und Freundinnen – also darauf, inwieweit die Teilnehmenden sich in ihren Freundschaften verstanden fühlen, sich öffnen können und im Ernstfall auf ihre Freunde oder Freundinnen zählen können. Höhere emotionale Unterstützung durch Freunde und Freundinnen ging mit niedrigerer Einsamkeit einher.

Das entscheidende Ergebnis der Studie: Der schützende Effekt von Freundschaften war bei kinderlosen Personen signifikant stärker ausgeprägt als bei Personen mit Kindern. Das bedeutet: Eine gute Freundschaft wiegt bei kinderlosen Menschen emotional "schwerer" und kann das Fehlen familiärer Strukturen kompensieren. Freundschaften fungieren hier als besonders bedeutsame Ressource für emotionale Nähe.

Offene Fragen: Freiwillig oder unfreiwillig?

Ein wichtiger Aspekt, den die Studie aufgrund der Datenlage nicht klären konnte, ist die Frage der Freiwilligkeit. Es konnte nicht differenziert werden, ob die Personen sich bewusst gegen Kinder entschieden hatten ("childfree") oder ungewollt kinderlos blieben ("childless").

Forschungsergebnisse mit jüngeren Teilnehmenden deuten darauf hin, dass diese Unterscheidung einen wesentlichen Einfluss auf das individuelle Wohlbefinden hat. Zukünftige Studien müssen daher genauer betrachten, wie die Gründe für die Kinderlosigkeit mit dem Erleben von Einsamkeit im Alter zusammenhängen.

Fazit: Auch wenn die Kernfamilie im Alter oft im Mittelpunkt steht, unterstreicht diese Studie den immensen Wert von Freundschaften. Besonders für Menschen ohne Kinder sind sie ein wirksamer Schutzschild gegen Einsamkeit.

 

Rataj, A. C., Alberth, A., Su, Y. J., Stam, E. J., & Stokes, J. E. (2025). The association between childlessness and loneliness in later life: does friendship play a moderating role?. The Gerontologist65(11), gnaf204. https://doi.org/10.1093/geront/gnaf204