Wie Persönlichkeitsmerkmale Einsamkeit im Alltag beeinflussen

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zusammengefasst von Esther Engelmann 

Die meisten Menschen unterscheiden sich darin, wie häufig und wie intensiv sie sich einsam fühlen. Die vorliegende Studie zeigt: Dabei spielt die Persönlichkeit eine wichtige Rolle, und zwar nicht nur allgemein, sondern auch im Alltag von Moment zu Moment.

Die Forschenden untersuchten, wie eng Persönlichkeitseigenschaften mit Einsamkeit zusammenhängen. Besonders interessant war dabei, dass Einsamkeit nicht nur einmalig abgefragt wurde, sondern wiederholt im Alltag. Zusätzlich wurden nicht nur Selbsteinschätzungen, sondern auch Einschätzungen durch die Partner*innen einbezogen.

Wie wurde das untersucht?

An der Studie nahmen knapp 300 Erwachsene (ca. 150 Paare) im Alter von 40-70 Jahren in festen Partnerschaften teil. Zu Beginn gaben sie Auskunft über ihre Persönlichkeit und ihre generelle Einsamkeit.

Anschließend wurden sie über acht Tage hinweg mehrmals täglich per Smartphone gefragt, wie einsam sie sich im Moment fühlen. Zusätzlich wurden die Teilnehmenden auch jeden Abend gefragt, wie einsam sie ihre Partner*innen an diesem Tag einschätzten. 

Bestimmte Persönlichkeitsmerkmale gehen mit mehr Einsamkeit einher

Die Ergebnisse zeigen ein klares Muster: Menschen mit hoher emotionaler Instabilität (Neurotizismus) fühlten sich durchgehend stärker einsam und das sowohl in allgemeinen Einschätzungen als auch im Alltag.

Auch eine geringe Gewissenhaftigkeit hing mit mehr Einsamkeit zusammen. Andere Merkmale wie Extraversion (Geselligkeit) oder Verträglichkeit zeigten zwar in der Ausgangserhebung  Zusammenhänge, waren im Alltag jedoch weniger eindeutig.

Einsamkeit schwankt im Alltag und Persönlichkeit wirkt dabei mit

Die wiederholten Messungen im Alltag zeigten, dass Einsamkeit keine konstante Größe ist, sondern sich im Tagesverlauf verändert. Etwa die Hälfte der Unterschiede ließ sich auf stabile Unterschiede zwischen Personen zurückführen, die andere Hälfte auf situative Schwankungen.

Gerade emotionale Aspekte der Persönlichkeit, wie beispielsweise die Neigung zu negativen Gefühlen, standen dabei besonders eng mit momentaner Einsamkeit in Verbindung. 

Fremdeinschätzungen bestätigen die Ergebnisse

Auch die Einschätzungen durch Partner*innen ergaben ein ähnliches Bild: Personen, die als emotional instabil wahrgenommen wurden, galten auch im Alltag als einsamer.

Zwar waren die Zusammenhänge etwas schwächer als bei Selbsteinschätzungen, doch die Muster blieben weitgehend gleich. Das spricht dafür, dass die Ergebnisse nicht nur auf subjektiven Verzerrungen beruhen.

Was bedeutet das für unser Verständnis von Einsamkeit?

Die Studie legt nahe, dass Einsamkeit weniger von der Anzahl sozialer Kontakte abhängt als oft angenommen. Stattdessen scheinen emotionale Faktoren eine zentrale Rolle zu spielen. Besonders auffällig ist, dass klassische „soziale“ Eigenschaften wie Geselligkeit im Alltag weniger stark mit Einsamkeit zusammenhängen als erwartet. Entscheidend ist offenbar eher, wie Menschen ihre sozialen Erfahrungen emotional verarbeiten.

Zusätzlich zeigt ein Blick auf den Lebensverlauf, dass sich Persönlichkeit mit zunehmendem Alter systematisch in Richtung einer „reiferen Persönlichkeit“ entwickelt. Forschung zum sogenannten Reifungsprinzip (Schwaba et al., 2022; Soto et al., 2011) belegt, dass Menschen im Durchschnitt emotional stabiler (weniger neurotisch) und gewissenhafter werden. Vor dem Hintergrund der vorliegenden Ergebnisse lässt sich daraus ableiten, dass solche Reifungsprozesse auch mit einem geringeren Erleben von Einsamkeit einhergehen könnten. Wenn Menschen lernen, ihre Emotionen besser zu regulieren und weniger anfällig für negative Gefühle sind, könnte dies dazu beitragen, soziale Beziehungen als erfüllender zu erleben und Einsamkeit seltener zu empfinden.

Was können wir daraus mitnehmen?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Einsamkeit nicht nur ein soziales, sondern vor allem ein emotionales Phänomen ist. Maßnahmen, die auf die Veränderung von Denkmustern und Gefühlen abzielen, könnten daher wirksamer sein als solche, die lediglich soziale Kontakte fördern.

 

Zusammengefasster Artikel:

Terracciano, A., Luchetti, M., Karakose, S., Milad, E., Zavala, D. V., Kekäläinen, T., Stephan, Y., Hajek, A., & Sutin, A. R. (2025). Personality traits and loneliness: An ecological momentary assessment study with self and partner ratings. Journal of Research in Personality, 116, 104607. https://doi.org/10.1016/j.jrp.2025.104607

 

Zitierte Artikel:

Schwaba, T., Bleidorn, W., Hopwood, C. J., Manuck, S. B., & Wright, A. G. (2022). Refining the maturity principle of personality development by examining facets, close others, and comaturation. Journal of Personality and Social Psychology122(5), 942. https://doi.org/10.1037/pspp0000400

Soto, C. J., John, O. P., Gosling, S. D., & Potter, J. (2011). Age differences in personality traits from 10 to 65: Big Five domains and facets in a large cross-sectional sample. Journal of personality and social psychology100(2), 330.