Fragen Sie uns zum Alter(n)!

Haben Sie eine Frage zur Psychologie des Alterns?

Und wollen Sie wissen, welche Antwort die Wissenschaft auf diese Frage hat? Dann schicken Sie uns Ihre Frage und wir werden die Antwort auf unserer Webseite veröffentlichen (natürlich anonym).

Pflichtfelder sind mit einem roten Quadrat markiert
Formular für offene Fragen
Dies ist ein Pflichtfeld
Dies ist ein Pflichtfeld: Betreff
Dies ist ein Pflichtfeld
Dies ist ein Pflichtfeld: Ihre Frage an uns

 Ihre Fragen, unsere Antworten!

Warum altern wir?

Altern ist der Verlust verschiedener Funktionen des Organismus. Es wird begleitet von abnehmender Fruchtbarkeit und zunehmender Wahrscheinlichkeit zu sterben. Das ist ein klarer Nachteil für jedes Individuum. Warum altern wir also?

Eine Erklärung wäre, dass das Altern zum regelmäßigen Wechsel von Generationen beiträgt und damit eine optimale Anpassung der Organismen an eine sich verändernde Umwelt ermöglicht. Diese Erklärung greift aber zu kurz, denn die meisten wildlebenden Organismen sterben durch äußere Umstände und werden gar nicht alt. Dadurch ist Alter in der Natur ein relativ seltenes Phänomen.

Die relative Seltenheit des Alters führt aber dazu, dass der Selektionsdruck mit dem Alter abnimmt. Es gibt schlichtweg zu wenig alte Individuen, um Selektion voranzutreiben. Dadurch existieren kaum spezifische Gene, die das Altern begünstigen würden. Ohne Selektionsdruck gibt es keine Kraft, die der Anhäufung von schädlichen Mutationen mit zunehmendem Alter entgegenwirken könnte. Und diese resultieren irgendwann im Tod.

Ein Organismus muss nur solange funktionieren, wie er in der Lage ist, in der Wildnis zu überleben. Wenn z.B. 90% aller Individuen einer Spezies im ersten Jahr durch äußere Umstände sterben (wie z.B. bei wilden Mäusen), wäre der weitere Einsatz von (ohnehin knappen) Ressourcen über diese Zeit hinaus eine evolutionäre „Verschwendung“.

Die Wahrscheinlichkeit des Überlebens in der Wildnis sagt also vorher, wie schnell Organismen altern. Je früher Organismen durch äußere Umstände sterben, desto mehr Ressourcen werden in diese kurze Zeit investiert und desto schneller ist der Alterungsprozess danach. Vereinfacht gesagt ist Altern kein Plan, sondern ein Nebenprodukt der Evolution.

Jana Nikitin, 27.03.2022

Quelle: Kirkwood, T. B. L., & Austad, S. N. (2000). Why do we age? Nature, 408(6809), 233–238. doi.org/10.1038/35041682


Womit beschäftigt sich die Psychologie des Alterns?

Die Psychologie des Alterns hat zum Ziel, mit wissenschaftlichen Methoden das Verhalten und Erleben der Menschen im Alter und während des Prozesses des Alterns zu erklären. Dazu gehören nicht nur Pathologien des Alter(n)s (wie z.B. Demenz), sondern vielmehr gesunde Alternsprozesse. Wie gehen Menschen mit der Veränderung von sozialen und familiären Rollen im Alter um? Wie bewältigen sie bedeutsame Lebensereignisse wie Krankheiten oder Verluste? Was passiert mit unserer Psyche, wenn das Lebensende näher rückt? Wie verändern sich unsere Beziehungen im Alter? Wie nehmen sich ältere Menschen wahr und welche Rolle spielt dabei das Bild des Alter(n)s in der Gesellschaft? Wie verändern sich Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Lernen, Problemlösen, Denken, Entscheiden, Sprache, Emotion, Motivation, Intelligenz, Persönlichkeit oder Kreativität, aber auch das (subjektive) Wohlbefinden oder die Lebenszufriedenheit? Welche Faktoren beeinflussen diese Veränderungen und wie gehen Menschen damit um? Und schließlich: können anhand der Forschungsergebnisse Interventionen entwickelt werden, die das Altern begünstigen? Dabei wird das Alter(n) nicht defizitär betrachtet, sondern in seiner Vielschichtigkeit.

 

Sonja Radjenovic (M.Sc.), 28.03.22


Warum wird man im Alter vergesslicher?

Wo habe ich den Autoschlüssel hingelegt? Wie heißt der Hund meiner Nachbarin? Und wann ist eigentlich mein Zahnarzttermin? Unser Gehirn ist in der Lage, eine Vielzahl an Informationen zu speichern. Doch jeder vergisst von Zeit zu Zeit etwas – jüngere wie auch ältere Menschen. Dennoch klagen besonders ältere Menschen vermehrt über Vergesslichkeit. Das ist ganz normal und gehört zum Alterungsprozess dazu.

Ab dem 30. Lebensjahr erreicht unser Gehirn die größte Leistungsfähigkeit, danach bauen seine Gedächtnisfunktionen langsam ab. Davon ist vor allem unser Arbeits- und Kurzzeitgedächtnis betroffen. Es hilft uns, aktuelle Informationen und Reize abrufbereit zu halten und diese mit dem Langzeitgedächtnis zu verknüpfen. Auch verringert sich unsere Fähigkeit zur sogenannten „geteilten Aufmerksamkeit“. Älteren Menschen fällt es vergleichsweise schwerer, mehrere Dinge gleichzeitig zu beachten oder darauf zu reagieren, beispielsweise beim Autofahren auf den Verkehr zu achten, Musik zu hören und im gleichen Moment mit der*dem Beifahrer*in zu reden.

Wie lässt sich dieser Abbau von Gedächtnisfunktionen erklären? Mit zunehmendem Alter erlebt der Mensch körperliche Veränderungen. Der Hippocampus, ein Bereich des menschlichen Gehirns, der an der Bildung und dem Abruf von Erinnerungen beteiligt ist, verschlechtert sich häufig mit dem Alter. Auch Hormone und Proteine, welche unsere Gehirnzellen schützen, reparieren und das neuronale Wachstum anregen, nehmen mit dem Alter ab. Zuletzt kommt es bei älteren Menschen häufig zu einer verminderten Durchblutung des Gehirns, was das Gedächtnis beeinträchtigen und zu Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeiten führen kann.

Vergessenes ist aber nicht immer aus dem Gedächtnis verschwunden, sondern kann durch konzentriertes Innehalten häufig wieder abgerufen werden. Außerdem sind wir in der Lage, lebenslang zu lernen und die negativen Auswirkungen des altersbedingten Abbaus von Gedächtnisfunktionen in vielen Fällen zu kompensieren. Und nicht zu vergessen: Nicht alle Menschen sind gleich und es gibt ältere Menschen mit besserem Gedächtnis als viele jüngere. Was wir über das ganze Leben gelernt haben, bleibt uns in der Regel sehr lange erhalten.

 

Sofia-Marie Oehlke (B.Sc.), 26.04.2022